Münchner Merkur, 25.09.2013

Sigi SeglEr war Ehrenbürger von Gräfelfing und über 30 Jahre lang aus dem Gemeindeleben nicht wegzudenken: Sigi Segl. Anlässlich des 92. Geburtstages hat der Bürgerverein Gräfelfing-Lochham des im Jahr 2000 verstorbenen Heimatdichters, Lehrers und 3. Bürgermeisters gedacht und zu einem Vortrag über den geliebten Gräfelfinger eingeladen. “Sigi Segl hat das Archiv mit aufgebau, von dem wir seit Jahrzehnten zehren, und heute Abend werden wir ihn mit seinen Texten posthum zuschalten”, begrüßte Gräfelfings ehemalige Archivarin Friederike Tschochner die zahlreichen Besucher, darunter auch Segls Tochter, Enkel und Urenkel.

Die Texte, liebevoll und aktibisch ausgesucht von BVGL-Ehrenmitglied Kurt Mory, waren es dann auch, die den Geist des Sigi Segl lebendig  weren ließen. In netten Anektdoten und Lesungen aus Zeitungsausschnitten – schließlich war Segl über Jahrzehnte hinweg für den Münchner Merkur als Autor tätig – bot Mory seinen Zuhörern ein kurzweiliges Programm.

Mory hatte Segl schon in der fünften Klasse als Lehrer erleben dürfen. Bereits damals habe der Pädagoge sienen Scharfsinn gelobt, allerdings zu dessen Mutter in der Sprechstunde auch gesagt: “der Kurt ist zwar so gescheit und versteht alles sofort, hat es aber schon wieder vergessen, bis die anderen es kapiert haben.” Auch späger hate er in Segel einen Mentor gesehen, der dem Vokl “aufs Maul geschaut” und dies schriftlich bestens umgesetzt habe. Als Heimatreporter habe Segl schon vor 50 Jahren dazu beigetragen, eine Sonderseite im Münchner Merkur anlässlich der 1200-Jahrfeier Gräfelfings zu gestalten; große Teile dieser Teste seien immer wieder verwendet worden. Auch zahlreiche Gedichte über die Eigenheiten und Liebenswürdigkeiten der ansässigen Bürger stammen aus Segls Feder.

Deutlich errinnerte sich Mory noch an einen Schulausflug mit dem Lehrer Segl, bei dem die Klasse zu Fuß von Gräfelfing nach Obermenzing an der Würm entlang marschierte. Segl habe die Gunst der Stunde genutzt und seinen Schülern Naturkundeunterricht erteilt, man habe Wissenswertes über den Fluss, dessen Fleißgeschwindigkeit und Flora und Fauna erfahren.

Auch das Amt des Nikolaus hat Mory überigens von seinem Vorbild Sigi Segl “geerbt”. Kurz vor seinem Tod nahm der damals 79-jährige Segl Mory mit in das Altenheim St. Gisela, in dem er seit vielen Jahren als der Heilige Nikolaus auftrat, ließ seinen Schüler zur Probe mal ran. Und als Mory den Job zu Segls Zufriedenheit erledigte, teilte ihm dieser mit: “Des machtst ab jetzt Du.” Mory nahmr sich die Aufforderung zur Herzen, kommt seitdem jedes Jahr seinen vorweihnachtlichen Pflichten gewissenhaft nach und denkt dabei gerne an seinen alten Freund und Wegbegleiter zurück.

(msg)

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