Bürgerverein erhebt schwere Vorwürfe gegen die Caritas und fordert Überprüfung der Gemeindezuschüsse

(Münchner Merkur, 12.08.2009)

Gräfelfing – Der Bürgerverein Gräfelfing-Lochham (BVGL) läuft Sturm gegen das Vorgehen beim Neubau des Caritas-Altenheims St. Gisela. Wie berichtet, hatte der Gemeinderat grundsätzlich einer Reduzierung der Bauzeit und dem dazu nötigen Umzug der Bewohner zugestimmt. Allerdings unter Bedingungen – und die sieht der Bürgerverein nicht erfüllt.

In dem entsprechenden Beschlussvorschlag – ein förmlicher Beschluss wurde nicht gefasst – heißt es: „Voraussetzung
ist aus Sicht der Gemeinde die Zustimmung der Mehrheit der Bewohner respektive der Angehörigen.“ „Dieses Einverständnis besteht definitiv nicht, im Gegenteil, sowohl Bewohner als auch Angestellte wurden in unschöner Form vor scheinbar vollendete Tatsachen gestellt und müssen umsiedeln bzw. wurden gekündigt bzw. in anderen Caritas-Heimen
untergebracht“, schreibt Fraktionsmitglied Kai Reichert zur Begründung eines aktuellen BVGL-Antrags.

Der Bürgerverein habe den Eindruck, dass es hier darum gehe, „Geld zu sparen auf Kosten der Alten und Schwachen“,
heißt es in einer gleichzeitig herausgegebenen BVGL-Pressemitteilung.
In der Tat schildert in der Pressemitteilung BVGL-Mitglied Sonja Mayer, Initiatorin des Projektes „Zeit statt
Geld“ im Altenheim St. Gisela, die Situation mit drastischen Worten: „Die alten Menschen und ihre Angehörigen
sind verunsichert und teilweise verzweifelt, wurde ihnen doch zunächst zugesichert, während des Neubaus in St. Gisela bleiben zu können.“ Ein Umzug sei „für viele Betroffene unvorstellbar“, zumal Besuche für manche Angehörige
aufgrund längerer Wege „kaum mehr möglich“ sein würden.
Nun fordert der Bürgerverein, das Thema auf die Tagesordnung der Sitzung des Ferienausschusses am Dienstag,
25. August, zu setzen. Und er stellt den bereits genehmigten Gemeindezuschuss von 1,5 Millionen Euro für den Neubau
zur Diskussion, weil er unter anderen Voraussetzungen zustande gekommen sei.
Auf Merkur-Anfrage zeigte sich 2. Bürgermeister Peter Köstler, der die Amtsgeschäfte derzeit leitet, von dem Antrag
und den Schilderungen des Bürgervereins „sehr überrascht“.
Heimleiter Peter Heß habe ihm erklärt, die weitaus meisten Heimbewohner und ihre Angehörigen würden mit der Situation sachlich umgehen. Köstler: „In den letzten zwei Wochen hat mich nur eine Person darauf angesprochen,
und eine weitere hat einen Termin bei Bürgermeister Göbel ausgemacht.“

VON MARTIN SCHULLERUS

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